Die "Segen bringende Gothik" (Möckel)

G. L. Möckel

Ein berühmter Baumeister des Historismus kommt nach Bad Doberan

 

Gotthilf Ludwig Möckel wurde 1838 in Zwickau geboren.
Nach der Maurerlehre verließ er Zwickau und besuchte die Baugewerksschule in Chemnitz.


Seine Tätigkeit in Hannover ab 1860 bei Edwin Oppler und das Studium an der dortigen Polytechnischen Schule bei dem Neogotiker Conrad Wilhelm Hase begründeten seine Begeisterung für die mittelalterliche Backsteinarchitektur.
Oppler arbeitete bei Violett Le Duc  u. a. an der Restaurierung von Amiens mit. Von ihm scheint Möckel seine Kenntnisse der französischen Gotik übermittelt bekommen zu haben.


Über Göttingen kehrte er 1866 wieder in seine Heimatstadt Zwickau zurück.
Hier galt der begabte Baumeister bereits als „Modearchitekt“.


Die zwischen 1873 und 1878 von ihm errichtete Johanniskirche in Dresden, leider 1953 gesprengt, veranlasste Möckel, ganz nach Dresden überzusiedeln.


Henry-Russel Hitchcock würdigte die Johanniskirche in seiner Geschichte der Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts: „ Die Gliederung ist kühn und die sorgfältig ausgeführten Details empfinden den Stil des 12. Jahrhunderts -  wenn nicht sogar der französischen Frühgotik  -  nach“.


Möckel wird in seinen späteren Kirchenentwürfen die Gotik als Anregung aufnehmen und damit der Forderung des sogenannten Eisenacher Regulativs entsprechen, das einen  christlichen Baustil nach dem Vorbild des Mittelalters fordert. 


Neben Wohnhäusern entstanden 18 Kirchen und 4 Schlösser, die ihn über die Grenzen Sachsen hinaus bekannt machten.

Mitglied der Dresdner Akademie der Künste war Möckel seit 1881.

Möckel wurde 1877 mit der Restauration des Beinhauses am Doberaner Münster und 1879 mit dem Entwurf der katholischen Kapelle in Heiligendamm betraut. Diese kleinen Aufgaben schufen die Verbindungen zu Doberan und dem Schweriner Hof.

 

Gegen den heftigen Widerstand seiner Schweriner Kollegen, die die Konkurrenz eines so begabten Architekten verhindern wollten, beauftragte ihn Friedrich Franz II. mit der Restauration des Doberaner Münsters und der umliegenden Dorfkirchen.

 

1885 nahm Möckel seinen ständigen Wohnsitz in  Doberan.

 

Friedrich Franz III. nennt Möckel einen „gewiegten und stilfesten Baumeister“ und redet ihn in den Briefen mit „Mein lieber Möckel“ an.

 

Für ihn baute er das Jagdschloss in Gelbensande bei Rostock, das zu einem der eigenwilligsten und malerischsten Profanbauten dieser Zeit wurde.

 

In Mecklenburg konnte Möckel seinen Traum verwirklichen, „nach den Prinzipien des nordischen, mittelalterlichen Bachsteinbaus“ zu entwerfen.

 

1889 wurde er zum Hofbaurat für Kirchenbausachen berufen. Neben 30 Restaurierungsobjekten wurden 20 Kirchenneubauten ausgeführt, einige davon auch in anderen Landesteilen, wie z. B. die Versöhnungskirche und die Samariterkirche in Berlin.

 

Zu den bedeutenden Profanbauten gehören u. a. das Ständehaus in Rostock (1888 -  1895) und das Gymnasium in Bad Doberan (1887  -  1889) .

 

Möckel fand unter Verwendung des Formkanons der Gotik und ihrer konstruktiven Klarheit für jedes Gebäude unverwechselbare Lösungen, die durch den souveränen Umgang mit Details überzeugen.

 

 

Er vertrat die Auffassung, dass ein neuer Stil aus den konstruktiven Bedingungen des Baumaterials und den Traditionen der Region heraus entstehen wird.


Anerkennung erhielt er durch Auszeichnungen nicht nur in Schwerin, sondern auch in Berlin und Dresden.


Mit 77 Jahren bat er 1915 in den Ruhestand gehen zu dürfen; noch in dem gleichen Jahr starb er.

 

In einem Nachruf würdigte der Kunsthistoriker Corenlius Gurlitt Möckel:

 

„Mit ihm scheidet aus der deutschen Architektur einer der besten Vertreter einer  bestimmten Richtung, die wohl hier und da bekämpft, sicher aber von späteren Zeiten als ein wichtiges Glied in unserer Entwicklung gefeiert wird“.

 

85 Kirchenrestaurierungen und Neubauten in ganz Deutschland, zu den schönsten gehören die beiden Heiligendammer Kapellen, bestätigen diese Worte.